(c) Weber
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Interpretation von Fakten

Weiter unten auf dieser Seite spricht der Künstler über sein Werk...

Fotografen sind Zauberer, Weber ist ein besonderer Magier. Er versteht die Fotografie als Medium, um das zu visualisieren, was die Fotografie als Prozess an sich ist, Gedankenübertragung, Bildwerdung, Geistesarbeit. Weber arbeitet ein Stück weit mit theoretischen Denkfiguren, seine Titel sind einerseits Schlüssel und gleichzeitig Verschlüsselung des Werks. Seine Fotografie ist Magie und Metapher, Emblematik und Alchemie. Das Ich ist sein Material, sein wahrer Selbstauslöser, seine Bildfindungen sind Schein und Reflex zugleich. Dass Weber sich als Hasardeur und geistiger Blitzarbeiter sieht, zeigt die arbeitsdokumentation: interpretation von fakten (2007). Weder handelt es sich um eine Arbeitsdokumentation, denn erstens ist das Bild Interpretation von Fakten (2006), auf das sich die Dokumentation bezieht, früher entstanden. Zweitens ist die angebliche Arbeitsdokumentation kein offensichtlicher Beweis für die Herstellung des früheren Bildes. Weber gaukelt uns also etwas vor, indem er sein älteres Bild auf pseudodokumentarische Art und Weise reinszeniert und den Betrachter glauben macht, die in der nächtlichen Fabrikhalle realisierte Installation führe zu eben diesem Bild. Die Behauptung also ist Fiktion. Doch Weber ist, wie gesagt, Hasardeur und Magier. Der beobachtende Blick auf die Machart (making of) des eigenen Werks ist lediglich Irritation, weil er von etwas anderem ablenken will. Sein Bild mit den Blättern im tatsächlichen Wald ist nämlich auch nicht seine Erfindung. Auch dieses ist bereits ein Nachbau. Es stammt von Jeff Wall, dem Altmeister der inszenierten Fotografie, und heisst A sudden gust of wind (1993). Und um den Prozess der Bildgenese im Realen wie im Metaphorischen noch eine Spirale weiterzudrehen, sei verraten, dass auch Jeff Wall nicht Urheber des Werks ist. Dieses Recht gehört nämlich Katsushika Hokusai der mit dem Holzschnitt Senshû Eijiri (ca. 1823–33) aus der Serie 36 Ansichten des Fuji den Steilpass zu diesem Wettbewerb der Reproduktionen lieferte. Und davon soll Weber nichts gewusst haben? Mitnichten! Wie sonst soll erklärt werden, dass auch Weber genau 36 Fotos (entsprechend der 36 Ansichten des Fuji) in seine Serie aufnahm, also eine Filmlänge eines normalen, analogen Films, obwohl er selber die arbeitsdokumentation digital fotografierte und gemäss Laufnummer mindestens 176 Mal abdrückte.

Fritz Franz Vogel

 

Herbert Weber (1975, Frauenfeld/ TG) lebt und arbeitet in Ebnat-Kappel/ SG. Von 2000 bis 2005 besucht er den Studienbereich Fotografie der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich (HGKZ). Bereits während des Studiums stellt er bei internationalen Galerien aus. 2007 erhält er zahlreiche Preise wie den Swiss Cups Art Award, den Werkbeitrag des Kantons St. Gallen oder den Migros-Kulturprozent Jubilee Award.

>>> herweber.ch

>>> WO FINDE ICH WELCHE AUSSTELLUNG?

Der Künstler über sein Werk… Hören Sie rein!


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