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Gina

Hören Sie einen kurzen Text - geschrieben von Stefania Malorgio (weiter unten)

Gina ist ein fotografisches Essay, das von der Beziehung seiner Schöpferin, Stefania Malorgio, zu ihrer Mutter handelt. Ich habe die Arbeit auf Grund der Ambiguität, die uns verbindet realisiert, so die Künstlerin. Drei Jahre lang, hat sie regelmäßig ihre Mutter während der Verrichtung ihrer täglichen Aktivitäten fotografiert, parallel dazu verfasste sie eine schriftliche Arbeit. Das Resultat ist ein Repertoire an bedeutenden Situationen, die den Schein erwecken, als seien sie einem Storyboard entsprungen. Man sieht Gina, wie sie mit dem Rasenmäher zu Gange ist, in Gedanken versunken vor dem Steuer sitzt, bei Sonnenuntergang ihre Pflanzen in ihrem Garten in einer vorstädtischen Wohngegend gießt, ihrer Tochter im Bad die Haare kämmt, die Familienmitglieder mit einem gewissen Wohlwollen beobachtet etc.
Sobald das Subjekt einer distanzierten Beobachtung unterworfen ist, werden diese Szenen zu einem paradoxen Tagebuch, das manchmal beinahe künstlich anmutet. Um die kontrastreiche Natur ihrer Gefühle gegenüber ihrer Mutter besser übersetzen zu können, spielt die Künstlerin mit der unscharfen Grenze, dem dokumentarischen Zugang und der Fiktion. In gewissen Bildern ist die Inszenierung explizit, andere Fotografien hingegen zeichnen sich durch ihre vermeintliche Augenblicklichkeit aus, auch wenn diese perfekt durchkomponiert sind. Manchmal nimmt sich die Autorin aktiv dem Klischee an und beeinflusst von innen heraus selbst Situationen, indem sie sich den Status der Akteurin aneignet. Im Versuch, den Bezug zu ihrer Mutter zu erforschen, hat Stefania Malorgio eine ausgefeilte Form gewählt, die sich auf die Kultur der Fernsehserien bezieht (wie beispielsweise Desperate Housewives). Sie sagt, dass sie in ihrer Mutter die bewegte Geschichte der aktuellen Frau wiederfindet. Die Klischeevorstellungen, die ich von ihr habe, erinnern mich an Film- und Fernsehheldinnen, mit denen ich mich identifiziere. Durch ihre Banalität verkörpern die Darstellerinnen verstörende Stereotype, präzisiert sie.
Ohne oberflächlich zu sein, hat die künstlerische Haltung von Stefania Malorgio einen persönlichen, zugänglichen und ehrlichen Charakter. Malorgio gelingt es, eine komplexe und individuelle Geschichte visuell wiederzugeben und ihr eine Universalität zu verleihen, die intellektuell überzeugt.

Daniel Müller

 

Stefania Malorgio (geboren 1982) lebt und arbeitet in Lausanne. Bis 2004 studiert sie Fotographie an der Ecole d’arts appliqués in Vevey (CEPV). Sie stellt ihre persönlichen Arbeiten im Raum „Standard-Deluxe“ aus. 2007 bekommt sie ihr Diplom an der Ecole cantonale d’art in Lausanne (ECAL) als Designerin in visueller Kommunikation (Spezialisierung Fotografie). Die Serie „Gina“ ist ihre Diplomarbeit. 

>>>> www.doue.ch/stefania

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